marktbericht
Zum Wochenschluss liegt der DAX weiter im Plus. Starke Vorgaben aus den USA und der leicht sinkende Ölpreis fördern die Risikobereitschaft der Anleger. Aber wie weit wird die erhoffte Entspannung tragen?
Rekordvorgaben von der Wall Street ziehen den DAX nach oben: Der deutsche Leitindex liegt im frühen Handel rund 0,2 Prozent im Plus bei 24.209 Punkten. Gestern war der DAX mit einem Plus von 0,4 Prozent auf 24.154 Zählern aus dem Handel gegangen.
In dieser Woche hat der deutsche Leitindex bereits deutlich mehr als ein Prozent gewonnen. Es wäre die dritte Gewinnwoche in Folge. Doch trotz der Erholung um mehr als acht Prozent seit Ende März liegt der DAX noch rund viereinhalb Prozent unter dem Niveau von Ende Februar, also vor dem Beginn des Iran-Kriegs.
Die Nachrichten zur Krise im Nahen Osten bestimmen weiterhin die Richtung an den Finanzmärkten. Die Anleger hoffen derzeit auf eine dauerhafte Entspannung. Vor allem setzen viele Investoren darauf, dass die Straße von Hormus bald wieder befahrbar sein wird. US-Präsident Donald Trump hatte verkündet, dass sich die Delegationen der USA und des Iran möglicherweise schon dieses Wochenende zu erneuten Verhandlungen treffen könnten.
„Anleger am deutschen Aktienmarkt bleiben zuversichtlich, dass im Nahost-Konflikt eine Lösung gefunden wird. Zwar gibt es noch keinen Durchbruch und auch die Straße von Hormus ist nicht frei passierbar, dennoch hat die Volatilität zuletzt etwas nachgelassen und Kursrücksetzer scheinen zum Einstieg genutzt zu werden“, schreiben die Marktbeobachter der Helaba in ihrem Tageskommentar.
Emmanuel Cau von der Barclays Bank weist darauf hin, dass der Krieg noch nicht beendet sei. Cau hält deshalb eine große Portion Hoffnung für eingepreist. Schließlich hätten die Ölpreise und Anleiherenditen ihren jüngsten Anstieg noch nicht wieder wettgemacht und die Sperrung der Straße von Hormus bestehe weiter. „Unser Eindruck ist, dass die leicht zu erzielenden Kursgewinne hinter uns liegen“, so Cau. Um weiter zu steigen, müsse der Krieg wohl tatsächlich beendet werden.
Laut Bundesbankchef Joachim Nagel wird der Ölpreisschock auf die deutsche Konjunktur durchschlagen, aber wohl keine Rezession auslösen. Die Wirtschaft sei zwar „respektabel ins Jahr gestartet“, sagte er am Rande der Frühjahrstagung von IWF und Weltbank. Doch wirke der Krieg in Nahost als Wachstumsbremse.
Nagel verwies darauf, dass der Internationale Währungsfonds (IWF) seine Prognosen für 2026 und 2027 um jeweils 0,3 Prozentpunkte nach unten korrigiert habe. Deutschland kann demnach 2026 nun noch mit einem Wachstum von 0,8 Prozent rechnen, 2027 dann von 1,2 Prozent. „Es müsste sehr, sehr viel passieren, dass man jetzt in die Rezession gehen würde“, sagte Nagel.
Starke Vorgaben aus den USA stützen heute den DAX. Während die alten Rekordstände hierzulande noch etwas entfernt sind, hatte die Hoffnung auf eine Entspannung im Nahen Osten die US-Börsen von Hoch zu Hoch getrieben. Den zweiten Tag in Folge erreichten der S&P 500 und der technologielastige Nasdaq-Index neue Bestmarken. Ob sich die Serie auch heute fortsetzt, ist ungewiss. Aktuell liegen die US-Futures nahe an ihren Vortagesniveaus.
Zumindest leichte Hilfe für den Aktienmarkt kommt derzeit auch von den Ölpreisen. Die Hoffnung auf ein Ende des Konflikts im Nahen Osten drückte die Notierungen zuletzt unter die Marke von 100 Dollar. Zeitweise hatten sie bereits an der 120-Dollar-Marke gekratzt.
Das aktuelle Preisniveau spiegele die Hoffnung wider, dass die Straße von Hormus bald wieder geöffnet werde und dass die Infrastruktur der Region gemäß den Bedingungen eines eventuellen Abkommens vor Angriffen geschützt sein werde, kommentiert Ricardo Evangelista, Analyst beim Broker ActivTrades.
Diese Hoffnung ist unsicher: Es seien noch konkrete Belege nötig, dass der Kriegsstopp von Dauer sein werde, sagte Nick Twidale, Chefmarktstratege bei ATFX Global.
Gegenwind kommt heute von US-Unternehmenszahlen. Am Donnerstag hatte der Streaming-Konzern Netflix nach US-Börsenschluss die Zahlen des vergangenen Quartals präsentiert. Sowohl Umsatz als auch Gewinn stiegen kräftig an. Netto verdiente Netflix mehr als 5 Milliarden Dollar, ein Plus von fast 83 Prozent.
Doch an der Börse wird vor allem die Zukunft gehandelt. Die aktuelle Gewinnprognose enttäuschte die Anleger, deshalb brach die Aktie nachbörslich ein. Bei der Vorlage der Quartalszahlen gab Netflix auch bekannt, dass der Mitgründer und langjährige Chef Reed Hastings den Verwaltungsrat verlassen werde.

